Europawahl 2004
Unter Berücksichtigung der Wahlbeteiligung sieht das Ergebnis ganz anders aus: Verloren haben die SPD, die Union und die erbärmlichen deutschen Jammerer.

Die Wahlbeteiligung lag bei 40,4 Prozent, noch niedriger als bei der letzten Europawahl vor fünf Jahren, damals gingen immerhin 45,2 Prozent der Bürger ihrer demokratischen Pflicht nach. Jetzt nur noch 40 Prozent. Damit kann von einer Protestwahl oder einem Denkzettel für die Regierung keine Rede sein, denn immerhin sind 59,6 Prozent der Bürger mit der aktuellen Politik nicht so unzufrieden, dass sie sich zu einer viertelstündigen Aktion bewegt hätten. Ihre Unzufriedenheit bleibt trotz allem scheinbaren Gemeckers so oberflächlich, dass sie nichtmal den Aufwand zu rechtfertigen scheint, die Wohnung zu verlassen. So schlecht geht es diesen Leuten also wohl nicht.
Umgerechnet auf die Wahlbeteiligung bedeuten die Prozente:
40,4 % - Nichtwähler
26,5 % - Union
12,8 % - SPD
7,1 % - Grüne
3,6 % - PDS
3,6 % - FDP
6,0 % - Sonstige
So gerechnet sind nur 39,7 Prozent (=Union+PDS+FDP+sonstige) der Wähler mit der Regierung so unzufrieden, dass sie eine Oppositionspartei wählen. Gerade mal zwei Fünftel der Bevölkerung. Allerdings sind auch nur 19,9 Prozent – ein Fünftel – der Bürger so zufrieden, dass sie den Regierungsparteien erneut ihr Vertrauen aussprechen. Also: Ein Fünftel sehr zufrieden, zwei Fünftel zufrieden genug, zwei Fünftel unzufrieden.
Falls die Europawahl tatsächlich anhand europäischer Themen entschieden sein sollte, interessiert der Vergleich zur Wahl von vor fünf Jahren: Demnach hat die Union rund 10 Prozent der Stimmen verloren. Viele der ehemaligen Unionswähler scheinen also mit dem aktuellen Europakurs nicht einverstanden zu sein. Die SPD hat noch mehr verloren. Die Grünen haben ihre Stimmen fast verdoppeln können, sie haben im Vergleich sogar mehr zugelegt als die Union verloren hat. Die grüne Europapolitik scheint also die Leute zum Umdenken zu bewegen.
Insgesamt sind neben dem offensichtlichen Verlierer SPD und dem nicht ganz so offensichtlichen Verlierer Union vor allem die jammernden Sesselpuper die Verlierer der Nation. Sie stöhnen und klagen mit einer erbärmlichen Faulheit und nehmen nichtmal die dünn gesäten Gelegenheiten wahr, etwas zu verändern. Diese Art des Jammerns kann ich nicht ernst nehmen. Wer gegen die gesamte Politik protestieren will, soll sich entweder selbst politisch engagieren oder zumindest einen ungültigen Wahlzettel abgeben. Aber wem die Reformen nicht weh genug tun, um aufzustehen – was nicht im übertragenen Sinn gemeint ist, sondern im ganz konkreten Sinn, ihren physischen Arsch aus ihrem realen Sessel hochzuwuchten –, der leidet nicht wirklich. Dem geht es offensichtlich viel besser, als er zugibt. Und damit kann man diese Wahl nur so interpretieren, dass zwei Drittel der Bevölkerung hinreichend bis sehr zufrieden mit der Regierung ist und nur ein Drittel eine wirkliche Alternative in den Oppositionsparteien sieht.
(Die Grafik habe ich übrigens von Spiegel Onlinewww kopiert.)