31. Januar 04

Schreibhemmung II

Puppe mit Bierflasche

Zwei Ereignisse der letzten Tage zielen in die gleiche Richtung: Entschuldigungen zählen nicht. Mist.

Heute kam eine Bestellung von Amazon an, in der nicht nur gute CDs von Doves und vor allem A Perfect Circle lagen, sondern auch das Buch Wie man einen verdammt guten Roman schreibt. Schon beim Lesen der ersten Seiten wird klar, dass ich mich – zumindest nach Meinung des Autors – damit auf dem Holzweg befinde, auf Inspirationen zu hoffen und bis dahin nichts zu unternehmen. Solange die Inspiration ausbleibt und mir kein Text wie von selbst aus den Fingern fließt, fühle ich mich bisher entschuldigt und verplempere meine Zeit, beispielsweise mit Pinguinweitschießen. Doch natürlich steht vor einem guten Roman das gleiche, was auch vor einem aufgeräumten Zimmer steht, vor aufgehängten Bildern, gewaschener Wäsche, gekauften Blumen und abgegebenen Steuererklärungen: Fleiß, Selbstdisziplin, Selbstmotivation und eine Menge lästiges Handwerk.

Eigentlich also nichts neues für mich, doch die Muse der Selbstüberwindung hat mich noch nicht geküsst, die Kunst der Selbstmotivation ließ mich noch uninspiriert – oder sollte es sich dabei auch nur um Handwerk handeln? Also nix mit dickem Kopf, sondern ein Käffchen aufgesetzt und losgearbeitet...

Vor kurzem floss die Anti-Verpeil-Howto durch ein paar Mailinglisten (z.B. hierwww, hierwww oder hierwww zu finden; hierwww kommentiert von meinem Lieblings-Verpeil-Kollegen), doch ich habe dort hauptsächlich Beschreibungen des Problems gefunden, kaum Lösungen, nur Ansätze.

Der Ansatz liegt natürlich auch wieder darin, keine Entschuldigungen gelten zu lassen, sondern sich zu überwinden. Doch als Motivation wird nur kurz das diffuse Gefühl erwähnt, dass man sich danach ja besser fühle, weil man alles geschafft habe. Ach was... sehr originell... dass ich hinterher klüger sein werde, ist mir allerdings jetzt schon klar, ich will wissen, was ich vorher zu tun habe...

Irgendwo bei Amazon hatte ich ein Buch "Schreiben als Selbsttherapie" gesehen. Wahrscheinlich steht dort drin, dass man einen Protagonisten entwerfen soll, der dem Wunschbild von sich selbst entspricht. Man beschreibt ihn dann so eindringlich und schlüssig, dass man selber gar nicht anders kann, als dieser Vernunft zu folgen. Gekauft habe ich das Buch aber nicht, denn erstens habe ich letztens einen Film zu diesem Thema gesehen, bei dem der Protagonist sein Alter Ego in einer Art externer, dialogfähigen Schizophrenie erlebt und schließlich sogar sich selbst in den Hals muss, um den so gerufenen Geist wieder los zu werden – wenig erstrebenswert. Zweitens schreibe ich beruflich so viel über Notebooks und Mainboards, dass ich wahrscheinlich im Bewußtsein dieser Therapieformen zu einem Notebook mutiere... mit Breitbilddisplay...

Gefällt mir ja teilweise schon, was ich da so schreibe. Muss nur mal fertig werden. Handwerk. Kurzgeschichten, ich sollte mit Kurzgeschichten anfangen. Noch fehlen mir aber die Ideen. Ob ich mir zusätzlich ein Buch kaufe Supercoole Kurzgeschichten superschnell zusammenhauen? Da fällt mir Leningrad Cowboys ein: You want to learn Rock'n'Roll? Read this book! Diesen feinen Witz versteht nur nie jemand...

Meine Danksagung geht an Kathrin und Oli aus M. für das Foto meinereinerseits an ihrem Arbeitstisch und die Aufnahmen ihrer Lieblingsstoffpuppe, dessen Name mir leider entfallen ist. Die haben sogar ihren Lampen Namen gegeben...

Kommentare

Kati aus O. schrieb mir, wie sie mit diesem Problem umgeht: (22.1.04)

Ich schicke Euch dies, weil es bei mir tatsächlich gewirkt hat. Indem ich dem einfachen Rat folgte, den ich in einem Artikel gelesen hatte, fand ich nun endlich meinen Inneren Frieden.
Im Artikel stand: Um inneren Frieden zu erhalten, brauchst Du nur alle unvollendeten Dinge zu beenden, die Du begonnen hast. So suche ich also seit gestern nach allen Dingen, die ich begonnen aber nicht beendet habe.
Also, heute habe ich eine Flasche Weisswein, eine Flasche Rotwein, eine Flasche Baileys, den Rest Wodka, sowie eine grosse Schachtel Haribo, die ersten Weihnachtslebkuchen und eine halbe Kiste Bier beendet.
Duh hascht kahaine Aahnnnnung, wiii guut ich miech nnnun füühle.
Schhick dasch an allllle, fon deenen Du dasch Gefüühll hascht, dasch die innerren Friedennnn nötich ham.

Oli aus M. schreibt am 26.1.04:

Vielen Dank übrigens für Deine Danksagung auf Deiner Homepage. Wenn Du willst, sage ich Dir die Namen unserer Lampen. Die Puppe heisst übrigens LISA.

G. aus HI. schreibt am 28.1.04:

Die Puppe heißt meinetwegen Lisa, sieht aber nicht aus wie der totale Wahnsinn sondern eher wie Nor. aus Bert (Namen von der Red. geringfügig geändert).

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