Coheed and Cambria
Moderner Rock mit Hardcore-, Metal- und Prog-Elementen sein. Wem das nichts sagt: Sie klingen wie Thin Lizzy mit einer Sängerin, haben aber einen Sänger, Claudio Sanchez. Den Sound prägen sie mit mehreren fetten Gitarren, Bass und Schlagzeug, hingegen kommen Keyboards nur sehr spärlich zum Einsatz.



Coheed & Cambria wurde 2000 vom Sänger und Gitarristen Claudio Sanchez gegründet, der zuvor in einer Band namens Shabutie spielte und von dort den Bassisten Michael Todd mitnahm. Als zweiten Gitarristen holten sie Travis Stever, an den Drums und den (selten genutzten) Keyboards sitzt Joshua Eppard.
Mit Konzeptalben geben sie sich gar nicht erst zufrieden, sondern betten direkt alle Alben samt Bandnamen in eine Geschichte ein. Sanchez hat eine vierteilige Science-Fiction-Story um das Ehepaar Coheed und Cambria entworfen, einen kurzen Überblick gibt der Wikipedia-Eintrag unten. Teil eins fehlt noch, die bisherigen Alben umfassen die Teile zwei, drei und die erste Hälfte von Teil vier. Haben sie wohl bei Georg Lucas abgeguckt.
Die ersten beiden Platten bestehen aus eingängigem ProgRock, gitarrenbetont, kaum Keyboards, mit Songstrukturen, die an Thin Lizzy und Led Zeppelin erinnern. Die helle Stimme von Sanchez klingt quäkig und hektisch, gewöhnungsbedürftig, könnte beim flüchtigen Hören auch eine Sängerin sein, gefällt einem oder halt nicht, ziemlich polarisierend.
Amazon.dewww hat's nicht gefallen:
Aus der Nähe aber entpuppt sich [das Debut] als latent unerfreulich. [...]vielleicht liegt es am ewig gleichen, schneidend klaren Gitarrensound, vielleicht an der überdrehten, stellenweise geradezu hysterischen Stimme[...], die an den Nerven zerrt. Vielleicht ist es aber auch diese gewisse Kälte, die das Album durchzieht. Zwar kreischt sich Claudio Sanchez die Seele aus dem Leib, zwar kämpft sich die Musik unaufhörlich irgendwelchen dramatischen Höhepunkten entgegen, aber das alles klingelt nur in den Ohren, statt in der Seele zu vibrieren. Voller Ideen ohne erkennbaren Zusammenhang, Melodien, die nirgendwo hinführen, voller Emotionen ohne Tiefe oder Hintergrund.
Über die zweite Scheibe schreibt Amazonwww positiver:
Coheed And Cambria entziehen sich jeglicher Kategorisierungsversuche [und] offenbaren ein Maß an Originalität, wie man es heutzutage nur noch selten findet. [...] Das bunte Gemisch klingt überaus eigenständig und verströmt [...] Frische [...]. Jazziges Drumming, markante Bässe und extrem abwechslungsreiche Gitarren zwischen Stakkato-Gehämmer und weichen Soundscapes bilden ein erdbebensicheres Fundament für Claudio Sanchez' hellen [...] Gesang. Intensive Gefühle werden ohne Pathos vermittelt, und zwischendurch geht immer wieder schön rockig die Post ab.
Die 2005er-Platte zündet nicht beim ersten Hören, man muss sich Zeit nehmen. Doch im Herbst 2005 haben wir viele seltsame Platten, die sich falsch bewegen: Dredg und Oceansize scheinen sich auf den Kommerz hin zu bewegen, Dredg deutlicher. Pain of Salvation überschätzten sich schon ein paar Monate vorher selbst und versenken bei Be alle Melodien in einer nicht funktionierenden Ambitioniertheit. Be ist nicht so revolutionär wie Queensryches Operation Mindcrime, und auch wenn die bisherigen Platten von POS genial waren, schafft Be nicht die Krönung, die Lamb für Genesis oder Wall für Floyd waren. Und bei Marillions Misplaced Childhood gibts mehr Melodien.
Unter diesen ganzen Proggies schaffen es Coheed and Cambria immerhin, ihren Stil vorsichtig weiter zu entwickeln, ohne sich in Kommerzialität, Konservatismus oder Überambitioniertheit zu verlieren. Sie werden sind etwas heavier, etwas zitierfreudiger, und bleiben sich selbst treu. Das mag nicht ewig funktionieren, gerade weil sie einen sehr markanten Sound pflegen, aber diese eine Mal gestehen wir es ihnen noch zu.
Interessante Links:
- Meine Besprechungwww bei Metalglory.de
- Homepage: coheedandcambria.comwww
- Biografiewww bei laut.de
- Eintragwww bei Wikipedia
- Interviewwww mit Bassisten Michael Todd bei wastin.com
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10.10.05: eigener Artikel, Bemerkungen zur IV, Links