David Gilmour: In Concert (DVD, 2002)
Der ehemalige Pink-Floyd-Gitarrist hat 2001 ein halb-unplugged Konzert gegeben, das zwar keine musikalische Offenbarung ist, aber dennoch zum Pflichtprogramm eines Floyd-Fans gehört.
Früher war immer mein Plan, dass ich, wenn ich um die 50 bin und eine dicke Bierwampe vor mir her trage, einer Coverband beitrete, mir einen Bass vor diese Wampe schnalle und Call me Doctor Love von Kiss singe. Sowas ähnliches hat David Gilmour gemacht, nur in etwas weniger dick, mit einer akustischen Gitarre statt Bass, und mit viel geschmackvolleren Songs.
Gilmour stellt sich auf die Bühne und spielt Shine On Your Crazy Diamond. Alleine. Lediglich für das beeindruckende Ende kommt ein Saxofonist hinzu. Danach spielt er einen Song von Syd Barrett, Gründungsmitglied und kreativer Mittelpunkt von Floyd. Shine On handelt von Barrett und seinem Fall, seine alten Freunde haben ihn für ihn geschrieben, als er Jahre nach der Trennung während der Aufnahmen zur Wish You Were Here unangekündigt im Studio auftauchte, damals, 1975. Weiter gehts bei Gilmour mit dem Floyd-Song Fat Old Sun (der auf der schrägen Atom Heart Mother untergegangen ist) und dann dem eigenen Coming Back To Live aus seiner mittelmäßig erfolgreichen Solozeit. Wobei mir einfällt, dass ich alle meine Gilmour-Soloplatten zusammen mit allen anderen Vinylscheiben verkauft habe, ohne sie mir auf CD oder MP3 zu besorgen.
Die nächsten Songs sind ein bunter Mischmasch aus Eigenkompositionen und Floyd-Klassikern. Aber keine Angst, er bleibt weder alleine noch unplugged. Im Lauf der Songs kommen immer mehr Musiker auf die Bühne und zwischendurch greift Gilmour immer mal wieder zur E-Gitarre. Als Gäste tauchen Bob Geldorf für einen Song auf, und der alte Floyd-Keyboarder Rick Wright. Einen Teil von Comfortably Numb singt Robert Wyattwww, whow!
Zur Tonqualität kann ich noch nichts sagen, da ich die DVD gerade in einem Notebook ohne 5.1-Anlage höre. Auch die Extras sind mir noch verschlossen.
Eine unplugged-Erleuchtung wie Nirvana oder Eric Clapton ist das Konzert nicht, dazu spielt Gilmour nicht virtuos genug. Dennoch gibt er vielen Songs eine ganz neue Note. Ob diese Interpretationen gut sind? Kann ich nicht sagen, dazu habe ich die Originale viel zu intensiv gehört, kenne jede Note. Interessant, dass Gilmours Stimme sich im Laufe der Jahre kaum verändert hat, während sein Äußeres nunja, sagen wir vielleicht vercockert, er ähnelt einem fetten Kevin Costner. Aber was soll's, ich wollte als Kiss-Interpret noch schlimmer aussehen. Allerdings werde ich wohl doch lieber Dogs singen...