Matrix - Reloaded
Natürlich kommt er nicht an den ersten Teil ran... aber dennoch...
Die allerersten Minuten von Reloaded habe ich verpasst: Im Double Feature liefen zuerst der erste und ab 23 Uhr der zweite Teil. Am Ende der Pause war ich noch auf Bierjagd und dachte, aufgrund von Werbung vor dem Film mehr Zeit zu haben, aber da war kaum Werbung.
Der Anfang war erschreckend: Eine Action-Szene, die sich als Traum von Neo herausstellt. Ich hasse Filme, bei denen sich gewisse Handlungsstränge als Traum herausstellen. Derartige Auflösungen nerven nur und verarschen den Zuschauer. Direkt danach schien sich der Film plötzlich zu einem Familien-Liebesdrama zu entwickeln – oh Hilfe, ich war froh, mir für die Bierjagd ausreichend Zeit genommen zu haben und vertiefte mich ins Auswaiden der Beute. Mit ein wenig Alk erheiterte mich diese Szene, als Neo und Trinity aus dem Aufzug stiegen und Geschenke entgegennehmen mussten, weil sie mich an das Leben des Brian erinnerte – wofür wahre Fans von Matrix und Brian mich jetzt bestimmt hassen :-)

Danach lässt die Ladehemmung aber nach und es geht richtig los. Einige erst verwirrend und willkürlich erscheinenden Ideen klären sich langsam, einige Figuren aus dem ersten Teil treten überraschend (für mich jedenfalls) wieder auf, auch obige Traumszene bekommt eine Bedeutung. Die Action-Szenen wirken ebenfalls willkürlich eingestreut.
Stichwort Willkür: Diese ganzen Stories, wo eine Welt irgendwie künstlich entworfen ist (ein Thema, das ja in der Science Fiction dauernd vorkommt, alleine dutzende Startrek-Folgen handeln davon), langweilen immer durch eine willkürliche Handlung, die nur mit Phantasie, Witz oder einer beeindruckenden Optik gefallen kann. Während im ersten Teil noch die von uns als real empfundene Welt als künstlich dargestellt wird (Phantasie), erschaffen die Matrix-Besuche im zweiten Teil eher eine surreale Umgebung. Die Optik entstammt dem Realen, surreal sind die Dialoge und die Action-Szenen.

Und willkürlich wirken in diesen Zusammenhängen halt die Versuche der Autoren, der scheinbaren Allmacht einiger Akteure Grenzen zu setzen. So versuchen Rollenspiele ebenso wie viele Fantasy-Romane, eine Magie mit einer Art magischer Naturgesetze zu entwerfen. Auch im Science-Fiction-Bereich gehören umfangreiche Technologie-Entwürfe zum guten Ton. Das Ergebnis wirkt ofmals langweilig, weil offensichtlich die Dramatik die Logik regiert. Beispielsweise dauernd bei Startrek die Funksprüche zwischen Raumschiff und Hauptquartier immer genau so lange, wie es der jeweiligen Folge gut tut. Genauso entsteht eine gewisse Langeweile und Unlogik, wenn die Protagonisten auf einmal die Elektrizitätswerke der künstlichen Matrix-Welt sprengen müssen, wo doch Neo alles nach seinem Willen verändern kann. Aber was solls, wenn er wirklich alles beeinflussen könnte, wäre der Film schon vorbei, und wer Logik erwartet, sollte sie eher im Mathematikstudium als im Kino suchen. Achja, auch gruselig: Mal ebent erklärt der Film natürlich nebenbei, was Vampire und Geister sind. Entgeistert öffnete ich meine zweite Bierflasche.
Der Rest ist schnell erzählt: Wenig Fragen zur Handlung klären sich, aber neue entstehen, und dann endet alles in einem Cliffhanger. Wenig befriedigend. Ich starrte auf meine noch halb volle Bierflasche.

Die innovativen Ideen des ersten Teils fehlten, aber das war ja klar, denn wenn noch ein dritter Teil folgt, muss ja Raum für Antworten bleiben. Zudem scheint es kaum möglich, diese Kreativität nochmals zu erreichen. Die in Reloaded gefundenen Antworten enttäuschen allerdings, so bleibt der Sprung zur Normalität nach dem ersten Teil sehr groß.
Zwei Hinweise im zweiten Teil lassen hoffen, dass der dritte Teil eine recht originelle und umfassende Antwort geben muss. Diese zwei Puzzleteile passen nicht. Eine eher langweilige Lösung fiel mir sofort ein, aber ich hoffe, überrascht zu werden. In irgendeiner Vorabkritik hatte ich gelesen, dass erst der dritte Teil zeigen wird, ob die Matrix-Story nur heiße Luft ist oder wirklich dem im ersten Teil gestellten und im zweiten nur notdürftig verteidigten Anspruch auf sowas wie einen philosophischen Tiefgang gerecht wird. Dem kann ich mich nur anschließen.
Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Film mit hübschen Frauen in netten Kostümen, coolen Typen mit coolen Sonnenbrillen und coolem Outfit sowie aufregender Action samt ein wenig Story. Bei einem auf Superlative ausgerichteten Publikum, das Filme nur anerkennt, wenn sie alle Rekorde brechen, hat Reloaded es natürlich schwierig(st), aber für einen unterhaltsamen Kinoabend reicht er allemal. Wer eher an der Story interessiert ist, mag besser damit fahren, im November sich ein Double Feature aus Reloaded und Revolutions anzusehen und jetzt noch zu pausieren. Für Action- und Schwarzlackledersonnebrillenästhetik-Fans bietet Reloaded jedoch allemal genug.
Die Bilder habe ich übrigens alle von hierwww kopiert. Und bei Reloaded lohnt Sitzenbleiben: Nach dem Abspann kommt ein Teaser für Revolutions, den dritten Teil.