20. Oktober 05

Oceansize in Hannover (2005)

In der Faust in Hannover habe ich am Mittwoch Abend Oceansize live gesehen. Und ich war total...unbegeistert...

Oceansize bei wilderem Part
Oceansize produzieren aus drei Gitarren, Bass und Schlagzeug einen beeindruckenden Sound – im Studio.

Vorband Awenwww, kannte ich noch nicht: Alternative-Klänge mit progressivem Einschlag sagen sie auf ihrer Homepage, und das kommt hin, wenn vielleicht auch etwas chorus-lastig. Bei der Stimme von Sänger Nils ists schwer, nicht direkt Bush und Creed zum Vergleich heranzuziehen. Sie haben ordentlich gespielt, hat mir gefallen. Nur war der Sound etwas matschig, sodass ich von seinen Ansagen nicht viel verstanden habe. "Der Hröah am Hhbrz, Florbgha am Grgumzeug", keine Ahnung, sollte wohl die Vorstellung der Band sein. Das noch spärlich eintrudelnde Publikum war allerdings wenig mitgerissen. Schade, der quirlige Sänger hätte mehr verdient.

Zweite Vorband Autumnblazewww, mir bisher auch unbekannt: Laut Metalglory spielen sie Trip Rockwww. Sie wirkten schlecht gelaunt, enttäuscht oder was weiß ich. Sound ebenfalls humpf, aber weniger Motivation als Awen. Hey, und wenn ihr bei dem miesen Sound fragt, ob jemand den Song kennt, aber niemand den Titel verstanden hat, dann weiß einfach niemand, worum's geht... Aber trotz Schmollbäcksken-Attitüde einigermaßen gelungener Gig, nur Rock ohne Trip. Als letzten Song kam dann "wir improvisssss auf der Bassmmmpf eines Songs vom hhrmnfn Albbbmmm" und dann schrammelten sie hörenswert los, wirkten aber eingeschnappt. Kam aber auch viel zu wenig Stimmung auf, das haben sie erst recht nicht so lahm verdient.

Sänger Mike Vennart
Sänger Mike Vennard schreit und windet und spielt besessen – aber in der Faust nicht mitreißend.

Ich war als Zugezogener auch noch nie beim Konzert inner Faust, vielleicht ists als Band auch nicht so angenehm, vor eine Säule zu singen statt ins Publikum. Und die Akustik? Gehts besser in dem Schuppen oder labbert das immer so herum?

Nach einer Umbaupause erschienen dann Oceansize. Der Sound wurde eher noch schlechter, hatte ich so den Eindruck, und es lag nicht am Bier, habe ich doch als Autofahrer schon nach zweien aufgehört. (Boah, und in der Zeit, die ich zur Parkplatzsuche verschwendet hätte, hätte ich doch glatt auch mein Fahrrad reparieren können...) Ich weiß nicht, obs am Sound lag oder an fehlendem Druck: Die Stimme von Mike Vennard war schlecht zu verstehen und viel zu leise. Nur den geschrieenen Part konnte man verstehen, aber da fehlte Vennard die Präzision der Studioaufnahmen; bei mir kam nur unkontrolliertes Gekreische an.

Drummer Mark Heron
Lediglich Schlagzeuger Mark Heron überzeugte auch unter widrigen akustischen Umständen.

Die ersten beiden Songs dreschten rein, hauten um, stürmten los. Funktionierten bei mir aber nicht. Ich weiß nicht, ob es wieder am schlechten Sound lag, aber zu meinem Ohr kam nur Kloppermatsche geflogen. Wo war die Subtilität der Platten, die Differenziertheit? Lediglich Schlagzeuger Mark Heron ackerte hyperaktiv und präzise, ihn hörte man natürlich auch ohne Verstärker gut. Etwas besser wurde es später, doch die Magie der ersten Scheibe zog nur bei wenigen Songs durch die Halle, beispielsweise bei One Day All This Could Be Yours, den wie auch einige andere Einspielungen vom Band unterstützt haben. Manchmal verzog sich auch Bassist Jon Ellis kurz ans Keyboard. Von der neuen Platte haben sie viel gebracht, doch nur wenige Songs wie New Pin funktionieren gut. Die Single Heaven Alive fand ich gräßlich gespielt. Funktioniert das schöne Spiel der Gitarristen Gambler und Steve Durose live nicht? Nein, sie wollen wohl so klingen: the only way to really appreciate Oceansize's sound and reputation is to see their incendiary live show, schreiben sie auf ihrer Homepage. Feuer gab's in der Tat, die Gitarren schossen sind gegenseitig Brandsätze um die Ohren, und oft sprang schon ein Funke aufs Publikum über. Feuer ist nur das Gegenteil von Detailliebe und subtiler Kraft, zwei Eigenschaften, die ich bei ihren Platten so sehr schätze.

Gitarrist Steve Durose
Gitarrist Steve Durose ließ wie die anderen einfach sein Instrument weiterlärmen, als er verschwand.

Vennard hüfte, wandt sich in Qualen, wirkte aber nur dann richtig gelöst, wenn er zum Schlagzeuger spielte, mit dem Rücken zum Publikum. War er zu seinen Gästen hin unsicher? Vorsichtig? Oder sah er einfach nur die Faust-Säule? Zugaben haben sie keine gespielt. Vennard nuschelte drei Songs vor Schluss eine Begründung, die ich natürlich wieder mal nicht verstanden habe. Sie beendeten den letzten Song, indem sie einer nach dem anderen ihre Gitarren rückkoppelnd auf den Boden legten und von der Bühne gingen, als letzter verschwanden der bei diesem Song an den Keyboards stehende Bassist und der Schlagzeuger. Naja, kann man machen...

Ich hatte Oceansize als magische, faszinierende EmoProg-Band schätzen gelernt, doch auf dem Konzert habe ich dann eine eher undifferenzierte, teils innovative Gitarrenband gehört. Hoffentlich verzaubern sie mich bei ihrer nächsten Tour mit besserer Akustik. Oder ich muss doch mal zum Ohrenarzt.

PS: Später habe ich mir eine bessere Kamera gekauft, und noch später habe ich als Fotograf einem Konzert von Porcupine Treewww beiwohnen dürfen, bei dem Oceansize als Vorgruppe spielten. Die Fotos hier stammen von diesem Konzert.

20.10.05: erste Fassung
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20.10.05: erste Fassung
14.12.05: Bilder von einem späteren Konzert eingebaut
5.11.06: Fotos neu entwickelt