16. September 04

Pain Of Salvation: Remedy Lane (CD, 2002)

Cover Remedy Lane (2002)

Hat man zwar alles schon gehört, aber SO noch nicht. Die spielen unverschämt gut.

Eigentlich erfindet die schwedische Band keine neuen Konzepte, sondern jedes Stückchen klingt wie schon mal gehört. Aber so und in diesen Kombinationen hat man noch nichts davon gehört. Die Platte Remedy Lane fängt relativ harmlos mit einem Song an, der auch von Marillion hätte sein können. Aber: Die Stimme klingt gut und nicht wie dieses Gekrampfe, das Fish oft singt. Zudem spielen Glöckchen im Hintergrund, die eher ans chinesische Theater erinnern. Und dann rummsen Gitarren und Schlagzeug los. Ein Echo am Ende, ein wenig bei The Wall geliehen, Elektronik am Ende, keine Ahnung woher. Insgesamt entsteht ein Song in selten (oder nie) gehörter Harmonie.

Die Band fällt in den Bereich Prog Metal, aber sie haben keine Angst vor echten Melodien und vielen ruhigen Parts. Damit sind sie Emo-Rockiger als manches, was aus dieser Richtung kommt.

Manche Breaks klingen wie Queensryche. Gegen Ende kommt eine Stellt mit Sounds, die an die rotierenden Plastikrohre der Blue Man Group erinnern. Hunderte weitere Zitate habe ich schon wieder vergessen. Doch diese Fetzen klingen nicht wirklich geklaut, sondern gerade mal zitiert, und zwar so, dass sie die eigenen Songs nicht tragen (was ja geklaut wäre), sondern ergänzen. Viele Riffs erinnern natürlich an das (mir sympathische) Gefrickel von Dream Theater, aber wenn Dream Theater geniale Musik-Architekten sind, dann spielen Pain Of Salvation eine Musik, die entsteht, wenn der Architekt raus ist und die Raumgestalter ihr Werk vollbracht haben: Über allem stehen Harmonien, Seele und der Charakter. Die Songs klingen verbunden, einleuchtend. Und sie sind von einer unverschämten Schönheit.

Obwohl vieles bekannt klingt, kupfern die Jungs aber nicht ab, sondern sie lernen, die Muster einzusetzen, zu verbessern und zu etwas Neuem zu verbinden, das sogar nicht nur mehr als die Summe der Einzelteile ist, sondern durch die vorhergehende Verbesserung der Einzelteile mehr erreicht, schon bevor die Kombination entsteht. An verdammt vielen Stellen möchte man diese Platte den zitierten Musikern mit den Worten "SO geht das, Kinners!" vorsetzen.

Auf der Suche nach Schwachpunkten werde ich nicht wirklich fündig. Der Sänger hat manchmal einen hörbar skandinavischen Akzent, aber derzeit kommen derart viele gute Bands von dorther, dass man sich immer mehr dran gewöhnt. Der mehrstimmige Gesang klingt manchmal nach etwas platten Progrock-Bands, bleibt aber noch im grünen Bereich. Naja, einige Passagen sind schon so schnell, dass Metal-Feinde wohl nicht soooo glücklich werden, aber dennoch überwiegen Melodie und Harmonie derart stark, dass manch alte Schüttelbirne zu den Anfängen zurückfinden mag, und dass einige Marillion- oder Fury-in-the-Slaughterhouse-Fans endlich mal lernen, was man mit Gitarren wirklich anstellen kann.

Discographie:

  • 2004, Be (soll Ende September erscheinen, raaaa, habenwill)
  • 2002, Remedy Lane
  • 2000, The Perfect Element, Part I
  • 1998, One Hour By The Concrete Lake
  • 1997, Entropia

Homepage: www.painofsalvation.comwww.

PS: Gestern gekauft und zwei- oder drei Mal gehört, heute läuft die Schreibe bestimmt zum vierten oder fünften Mal. Mannomann, das ist mir schon viele Jahre lang nicht mehr passiert, dass mich eine Platte so fesselt. Und immer noch hauts mir an bestimmt zwei Dutzend Stellen Gänsehaut über den Rücken und Arme und überall. Das ist die Platte, die ich gesucht habe. Da muss ich mir nächste Woche wohl den ganzen anderen Kram von denen auch noch kaufen.

15.9.04: erste Fassung
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15.9.04: erste Fassung
16.9.04: PS
zu erledigen: ganz anders