Was ist Dim Sum??
Dim Sum, sind das nun Vorspeisen oder eine Art Teegebäck? Oder gar Frühstück? Ein wenig Recherche bringt etwas Klarheit und macht vor allem hungrig...
In einigen guten chinesischen Restaurants bekommt man Dim Sum. Sie stehen dort meist als extra Punkt zwischen den Vorspeisen und Hauptgerichten, sind also offensichtlich weder das eine noch das andere. Auf www.china-rezepte.dewww, einer Seite mit sehr vielen Rezepten und interessanter Hintergrund-Information steht:
Als Dim Sum werden die Gerichte des chinesischen Frühstücks bezeichnet. Eine Vielzahl von kleinen Gerichten die zusammen das Frühstück ergeben. [...] Man nimmt sie meist in speziellen "Frühstücksrestaurants" ein. Am besten stellt ihr mit mehreren Dim Sum Rezepten ein mehrgängiges Hauptmenü zusammen.
An anderer Stelle lautet es auf obiger Seite aber:
Die bekannteste Spezialität der kantonesischen Küche sind Dim Sum, kleine knödelartige Snacks, die mit Krabben, Schweine-, Rindfleisch und anderen Überrachungen gefüllt sind. Auch andere Regionen Chinas kennen solche kleinen Happen, sie werden jedoch an Raffinesse von jenen aus Kanton bei weitem übertroffen.
Wikipedia vertritt eine etwas anderewiki Meinung:
Dim Sum stammen ursprünglich aus der kantonesischen Küche Chinas und heißen übersetzt in etwa kleine Herzwärmer. Es handelt sich um kleine Gerichte, die meist gedämpft oder frittiert sind und die zum klassischen chinesischen Tee gereicht werden, die entsprechenden Teehäuser sind auch ihr Herkunftsort.

Meine eigene Erfahrung in Taiwan hilft nicht weiter: In einem guten Hotel gabs tatsächlich einige Dim Sums am Frühstücksbuffet, aber in einem traditionellen Frühstücksladen sahen die Speisen den mir bekannten Dim Sums jedoch sehr unähnlich – allerdings waren sie auch dort frittiert. In der Lounge am Flughafen wiederum standen Dim Sum ständig herum, dort schienen sie also eher ein Snack für zwischendurch zu sein, unabhängig von der Tageszeit.
Weitere Informationsquellen bestätigen beide Seiten. Beispielsweise vertritt www.dimsum.comwww die Teegebäck-Theorie:
In China's ancient agricultural society, people would often head for a tea house after an exhausting day in the fields. Here they would mix warm conversation with fine tea and a tantalizing selection of dim sum. The quantity of each was kept small-the delicacies were served in tiers of bamboo steamers or small to medium-sized plates-so that many different varieties could be sampled. This custom has continued up through present day.
Versöhnend erklärt diese Seitewww auf , einer Art Einkaufsführer für Hong Kong:
Traditionally, Chinese housewives would serve tiny, steamed dumplings as breakfast to their husbands (or houseguests). They said these dumplings were made with great love and care for the husband, visitors or for restaurant patrons and they called these dumplings "Dim-Sum" or literally translated, "from the heart". Another not so well known name for this favorite Chinese treat is "Yum-Cha" which in Cantonese, means to "drink tea." Chinese people like to start the day with a cup of Chinese tea and even today, some tasty dumplings or "Dim-Sum".

Also haben beide Seiten Recht, Dim Sum gehören zum Frühstück, lassen sich aber auch zum Tee genießen, und zwar unabhängig davon, wann man Tee trinkt – und auch ohne Tee. Wenn wir Dim Sum als Vorspeise ansehen, entspricht das also nicht ganz der Tradition und widerspricht ein wenig dem Gedanken, Dim Sum als etwas eigenständiges zu sehen, als die Hauptattraktion. Dann müssen wir also wohl dazu immer Tee trinken, notfalls Gerstentee.

Laut www.globalgourmet.comwww (viele weitere interessante Einzelheiten sind dort zu finden) gibt es etwa 2000 Arten von Dim Sum, von denen spezialisierte Dim-Sum-Restaurants etwa 100 anbieten. Hierzulande haben normale Chinesen gar keine bis vielleicht ein halbes Dutzend auf der Karte, gute Restaurants auch mal zwei bis drei Dutzend.
In den einfachen dieser spezialisierten Restaurants gibt es keine Karte, sondern die Kellner tragen auf Tabletts oder kleinen Wagen verschiedene und wechselnde Dim Sums herum; die Küche bereitet ständig verschiedene Typen. Die Gäste bedienen sich einfach und bezahlen direkt oder bekommen die gewählten Dim Sums auf einer Karte eingetragen oder behalten (ähnlich einigen Sushi-Restaurants) die Teller und Bastkörbchen als Essnachweis auf dem Tisch.

In besseren Restaurants liegen Bestellkarten aus, mit denen ein Sprachunkundiger allerdings nichts anfangen kann. Der große Trend in asiatischen Ländern, Plastikgerichte oder zumindest Fotos von den Gerichten bereitzustellen, macht aber wohl auch den Dim-Sum-Fans das Leben leichter.
Achja: Als Abfall der Recherche habe ich gelerntwww, dass Chop Suey auch nur eine Art Abfall ist:
Kaum einer weiß, daß Chop Suey eine amerikanische Kreation ist, die die Chinesen selbst links liegenlassen. Es war um 1850 zur Zeit des Goldrauschs, da zog es die amerikanischen Schürfer in die Lager der Kulis, um dort einen Bissen zu erhaschen. Da sie mit den Chinesen nicht an einem Tisch sitzen wollten, warteten sie auf die zweite Schicht. Die chinesischen Köche warfen in einen Topf, was von ihren chinesischen Gästen übrig war, schnitten es in kleine Stücke, bis alles "suey" (in Streifen geschnitten) war und setzten es den ahnungslosen Amerikanern vor. Denen schmeckte es.
Als weiterer Rechercheabfall bin ich auf die Lactoseintoleranz gestoßen, auf die Unfähigkeit vieler (u.a.) Asiaten, Milchprodukte zu verdauen. In der chinesischen Küche findet sich tatsächlich kein bisschen Käse oder ähnliches. Laut Wikipediawiki handelt es sich dabei um einen Gendefekt – und zwar um einen bei Westeuropäern und Arabern:
Lactoseintoleranz ist der menschliche Normalfall [...] Da in Westeuropa, Australien und Nordamerika die Zahl der Menschen mit Lactoseintoleranz sehr gering ist, wird sie dort oft fälschlicherweise als Krankheit angesehen.
Ein Erklärungsversuch dafür geht davon aus, dass die Lactoseintoleranz eigentlich eine Schutzfunktion darstellt – durch "Abschaltung" der Milchzuckerverarbeitung bei ausgewachsenen Lebewesen soll die Milchversorgung der nachwachsenden Generationen nicht gefährdet werden. Während dieser Schutz bei allen Säugetierarten vorkommt, ist er bei einigen Teilen der menschlichen Weltbevölkerung jedoch aufgrund einer vor ca. 6.000 Jahren entstandenen und weitergegebenen Genmutation auf Chromosom 2 nicht mehr wirksam. [...] Vom Ursprung aus breitete sich die Mutation in der eurasischen Bevölkerung aus, gemeinsam mit der Viehwirtschaft.