Die Hochzeit
Sie wollten in aller Ruhe auf einem Leuchtturm heiraten. Den Leuchtturm haben wir ihnen gelassen, aber die Ruhe nicht...
Am Anfang stand eine Idee... aber nicht meine, sondern die eines befreundeten Paars. Sie wollten heiraten. Allerdings erzählten sie nur wenigen Leuten davon, ja wir wussten nichtmal, wie viele Leute überhaupt eingeweiht waren. Da einige Eingeweihte das Paar nicht im Regen stehen lassen wollten – schließlich regnete es zu dieser Zeit schon genug in Hannover –, beschlossen sie, ein paar Euro zu sammeln und dann zu überlegen, was man damit machen könnte.

Insgesamt kamen rund 100 Euronen zusammen und der Beschluss entstand, die Kröten nett zu verpacken und den beiden Glücklichen (gemeint ist das Hochzeitspaar) zu überreichen.
So fanden sich zwei ambitionierte Bastlerinnen und ein fauler Fotograf (gemeint bin ich) eines Tages ein, um zu kunstwerken. Nach dem Auspacken einiger Bastelzutaten erschlug uns die Fülle der zu verarbeitenden Materialien und dazu zu benutzenden Werkzeuge doch erstmal ein wenig.

Also erstmal das Wichtigste erledigen: Die SMS schreiben, dass wir später als verabredet beim Hochzeitspaar auftauchen...

Dann das für den Fotografen am Wichtigste...

"Oder ess ich doch noch was...?"

Jetzt aber los, sonst werden wir gar nicht mehr fertig...

Zuerst bekam dieser gemalte Leuchtturm einen Plastiksack verpasst...

...in den echter rügener Ostseesand (oder von irgendeiner Baustelle geklaut, who cares...) floss...
So lahm die Bedienung im Safran auch war, so grimmig schaute sie dennoch zu unserem Tisch, als wir mit kaum zwei Dutzend Tesafilmrollen versuchten, den Sack dicht zu bekommen. Guinness mit unechtem rügener Baustellensand schmeckt übrigens gräßlich, und auch die anderen Getränke auf dem Tisch gewannen wenig.

Danach gönnten wir uns erstmal....

...einen Leuchtturm...
Denn dort wollten die beiden ja heiraten, bzw. dort hatten sie sich inzwischen schon (in strömendem Regen, wie wir später erfahren sollten) das Ja-Wort gegeben. Welch blöder Ausdruck übrigens. Soweit ich das Ritual verstanden habe, gibt man sich dort höchstens Ringe und Küsse, aber keine Wörter. Und wenn das Paar dort spricht, ist es meist kein blumiges Ja-Wort (was auch immer das überhaupt ist; ich kenn Schimpfwörter und Fachwörter, aber keine Jawörter), sondern ein nervös gekrächstes "Ja, ich will". Was drei Worte sind, nicht eines. Dann leistet man noch ein paar Unterschriften, und dann nix wie ab auffe Fete oder direkt in die Hochzeitsnacht oder -nachmittag. Durch den Regen.

Die Karte symbolisiert nicht nur den Sand, sondern auch das Meer, welches den Leuchtturm umspült. Hätten wir von dem Regen gewusst, hätten wir noch ein paar Bierspritzer oder Kaffeeflecken im gelben Himmel verteilt.

Inzwischen hatte ich mir einen guinnessvernebelten Text einfallen lassen und die Liste der Spender heruntergerasselt. Argl, einer fehlt leider, aber dessen Spende samt Namen habe ich inzwischen dem Paar auch überreicht.
Nu aber nichts wie los zum glücklichen Paar. Es regnete übrigens auch in Hannover, sodass die Karte und der Leuchtturm (die Knete hatten wir als Ringe drumherum gewickelt, falls ihr das nicht längst auf dem Foto erkannt habt) fast zwangsläufig einen Haufen Tropfen abbekamen. Bevor Geschenk und Karte eher die durch Erosion und Klimawechsel verwüstete Küstenlinie einiger deutscher Inseln symbolisierten, erreichten wir den gastfreundlichen Hafen des frisch dort eingelaufenen Paars (welch bildreiche Sprache, geradezu überschäumend, haha).

Die beiden (durch einen Besuch beim Fotografen zwecks professioneller Hochzeitsbilder darin geübt, im richtigen Moment in die richtige Richtung zu lächeln – siehe auch oben auf dieser Seite) freuten sich sichtlich über Karte, Geschenk und vor allem die Knete.
Wir ließen uns unsere Mühe natürlich mit ein paar Sektchen belohnen...

...und so hatten wir zu fünft einen lustigen Abend...

...prost und alles Gute...

...und als nächstes planen wir den nachträglichen Junggesellen- und -gesellinnen-Abschied, da hauen wir die ganze Knete wieder auffen Kopp...höhö...