6. April 04

Das Sparen

... denn wir müssen sparen ... (die Nachlese unserer Weihnachtsfeier)

Der Weltmarkt, die Wirtschaftslage, der Arbeitsmarkt, die Löhne, die Nebenkosten, die Dot-Com-Niedergänge. All das geht auch an uns nicht spurlos vorüber, selbst wir hängen hilflos in den Seilen. Daher haben wir einen Sparplan entworfen, der nur wenige Opfer von jedem verlangt, aber letztlich allen zugute kommen wird.

Idee 1: Stühle einsparen

Wie man hier deutlich sieht, kranken wir daran, viel zu viele Stühle angeschafft zu haben. Stühle benötigen jedoch einen immens hohen Wartungsaufwand, weil sie ständig großen Belastungen ausgesetzt sind. Auch steigt der Krankenstand, weil sich immer wieder Leute Schleimbeutenentzündungen am Ellenbogen zuziehen, wenn sie ihre Arme auf den Lehnen abstützen.

Der erste Ansatz bestand in einer Variation der Hängematten-Idee. Was jahrhundertelang in Schiffen und bei Pfadfindern als Bett funktionierte, kann uns doch wohl als Stuhlersatz dienen. Doch der Versuch scheiterte und brachte einigen mutigen Männern sehr unangenehme ... sagen wir, die knallrote Farbe der Mütze (auf dem Foto schlecht zu erkennen) stimmt, aber es passte dann eher zu Ostern als zu Weihnachten...

Der zweite Ansatz bezog die pausierenden Kollegen mit ein. Sie sollten sich dem arbeitenden Teil der Belegschaft als menschlicher Stuhl zur Verfügung stellen. Eine warme, weiche und kommunikative Lösung, wie anfangs alle dachten.

(Man beachte, dass dieser Stuhl sich nach obigem Experiment seine Pause redlich verdient hatte.)

Die Verteilung der Sitz-Ressourcen per speziell programmierter Datenbank erwies sich jedoch als schwierig.

Der Herr links: "Dich hab ich jetzt als Sitz ausgewählt."

Die Dame rechts: "Nee, lass ma."

"Die hab ich in der Datenbank nämlich schon für mich reserviert, Ätsch."

"Zu den beiden Polstern übrigens, die ich in der Datenbank angekreuzt habe..."

Zudem tricksten einige Mitarbeiter die Datenbank aus und organisierten sich gleich zwei Sitzgelegenheiten.

So richtig praktikabel war dieser Ansatz jedenfalls doch nicht.

Als Weiterentwicklung dieser Idee haben wir dann einfach die Mitarbeiter jedes Büros aufeinander sitzen lassen. So vermieden wir die Zuteilungsprobleme. Schwierigkeiten tauchten hierbei aber sowohl in Zweier-Büros auf als auch bei der Bildschirmarbeit. Die unter der Decke befestigten Bildschirm- und Tastaturhalter kosteten dann doch noch mehr als die Wartung der Stühle.

Schließlich haben wir eine pragmatische Lösung gefunden und alle Stühle auf Ebay versteigert. Die Mitarbeiter müssen jetzt einfach stehen.

Lediglich einige ältere Mitarbeiter mit Rückenproblemen bekommen einen dieser blauen Ergonomie-Stühle ausgehändigt.

Idee 2: Fahrtkosten einsparen

Statt jedem Mitarbeiter Fahrtkosten auszuzahlen, organisierten wir einen Fahrdienst.

Wir trieben einen Fahrer mit sehr niedrigen Gehaltsforderungen auf, der allerdings nach diversen Führerscheinentzugsverfahren keine vierrädrigen Fahrzeuge mehr führen durfte, ja nicht mal mehr zweirädrige.

Während diese Lösung beim Abholen von in der Innenstadt wohnenden Mitarbeiter sogar noch einen Gewinn erzielte – ständig warfen Passanten mit Kleingeld nach unserem Fahrer und applaudierten –, verursachten die mehr als hundert Kilometer weit entfernt wohnenden Mitarbeiter doch größere Zeitverzögerungen.

Die montägliche Schnitzeltags-Zubringerdienste führten den armen Fahrer jedoch nach langen Jahren der Trockenheit wieder an den Alkohol, sodass er nach wenigen Wochen auch noch für das letzte Rad seine Fahrerlaubnis verlor. Der Fahrdienst musste daraufhin eingestellt werden.

Idee 3: Verpflegungskosten einsparen

In einem mehrstufigen Prozess reduzierten wir die Essensrationen.

Während die Dame links noch Teller und Lebensmittel bekam, erhielt die mittlere nur noch einen Teller und die rechte schließlich gar nichts mehr.

Ja, gar nichts mehr. Ihr könnt euch wieder setzen.

In der nächsten Verpflegungsrationalisierungsstufe limitierten wir auch den Bierausschank und gaben nur noch zu etwa 20 Prozent gefüllte Gläser aus.

Die meisten Mitarbeiter erduldeten diese Sparmaßname mit Fassung...

...viel Fassung...

(Wein, Sake und ähnliche Getränke wurden natürlich ebenfalls rationalisiert)

...ein wenig zu viel Fassung vielleicht...

"Haha, ich geh einfach mehrmals zu diesem blöden Getränkeausschank"

Daraufhin stellten wir die Ausgabe von Alkoholika ganz ein und es gab nur noch Säfte...

"Vorsicht, Gesunde!"

Die Säfte widersprachen jedoch dem Spargedanken, denn sie kosten bekanntlich mehr als Bier. Wir entschlossen und also, gar keine Getränke mehr auszuschenken.

Anfangs fiel uns das Anstoßen mit nicht vorhandenen Gläsern zwar noch etwas schwer, aber man gewöhnt sich ja an allem, wie man so sagt.

"Prost!"

Idee 4: Telefonkosten einsparen

Das war eine einfache Sache: Wir stopften den notorischen Vieltelefonierern lediglich was in den Mund...

...und schon waren sie ruhig und telefonierten nicht mehr.

Idee 5: Lohnkosten einsparen

Ganz zum Schluss bekamen wir dann noch die Idee, das Weihnachtsgeld nicht mehr zu überweisen, sondern in einen Sack verpackt aufzuhängen. Die Mitarbeiter müssen sich ihre Bonus jetzt selbst abholen. Das spart Bankgebühren, und ein bisschen Bewegung tut uns ja auch mal ganz gut.

Insgesamt erwiesen sich die Sparmaßnahmen als voller Erfolg und wir hatten genug Knete für eine außerordentliche Weihnachtsfeier übrig. Leider sind von dieser keine Bilder überliefert...