Zoo Hannover: 1,7-mal näher ran
Nettes Spielzeug: Ein Telekonverter gibt meinem 70-200/2,8 mehr Schub. Und die Schärfe leidet nicht, wie ein erster Test zeigt.
So richtig kann ich über die Reichweite meines 70-200/2,8 VR ja nun wirklich nicht klagen, denn wegen des Crop-Faktors der D300 verhält es sich schon jetzt wie ein 300-mm-Objektiv und hat eine so brutale Schärfe, dass ich auch Ausschnitte gut verwenden kann. Trotzdem, als ich letztens bei Ken Rockwell einen Test der Nikon-Telekonverter gesehen habe (speziell auf die Leistung am 70-200 geht er hier ein), fand ich sowas schon verlockend. Der Zweifach-Konverter TC-20E kommt nicht so gut weg, der kürzere TC-14 bringt wenig – doch der TC-17 soll weder Schärfe noch Autofokus wesentlich verschlechtern. 360 Euro kostet das Ding, aber irgendwo muss das Urlaubsgeld ja hin. Das Objektiv mutiert damit zu einem 120-340 mm mit Blende 4,8 – 510 mm unter Berücksichtigung des Crops.
Am ersten Tag im Zoo Hannover hat sich der Telekonverter nun gut geschlagen. Das erste Bild zeigt einen 1:1-Ausschnitt mit 340 mm, exportiert mit Lightroom 2 beta mit leichtem Schärfen und dem (in dieser Version neu hinzugekommenen) Nachschärfen nach dem Skalieren. Hammer, oder? Aufgenommen mit 1/250 s, Blende 5,6. Dadrunter links das komplette Bild. Und rechts daneben zum Vergleich ein älteres Bild vom fas gleichen Standpunkt (ca. zwei Meter näher) aus fotografiert, mit 150 mm (D80, 18-200/VR, ISO400). Jaja, ist nicht optimal, aber was besseres habe ich gerade nicht. Wenn man die Macken in der Mauer hinten vergleicht, sieht man, dass der Kopf des süßen Gorillas etwa so groß ist wie die Hand des Gorillas im rechten Bild.
Noch ein Hammer gefällig? Das folgende Bild habe ich mit 220 mm und Blende 5,6 aufgenommen, der Ausschnitt dürfte also auch ohne Konverter fast genauso gelingen. Links seht ihr das Bild in der gesamten Breite, nur in der Höhe etwas beschnitten (ist recht langweilig). Die 2:1-Vergrößerung (das Bild hat 302 Pixel, der Originalausschnitt misst 604) zeigt, dass ohne Konverter aber wohl auch kaum mehr Schärfe zu erwarten wäre, jedenfalls nicht an einer D300. Doch Rockwell sah in obigem Test auch an der mit Vollformat-Sensor ausgestatteten D3 keinen nennenswerten Unterschied.
Das Objektiv ist mit dem Konverter nicht mehr ganz so schnell wie früher, aber weit besser als die Alternativen: Es gäbe ein 70-300/VR für günstige 500 Euro, aber das beginnt bei Blende 4,5 und hat oben dann 5,6. Qualitativ dürfte es etwas hinter meiner Kombination zurückbleiben. Interessant wäre auch das 80-400/VR, das aber ebenfalls mit 4,5-5,6 nicht so schnell ist – möglicherweise wäre es qualitativ aber etwa vergleichbar. Mit rund 1400 Euro ist es aber deutlich teurer. Sichtbar besser sind dann nur die teuren Zooms wie das 200-400/4 VR für etwa 6000 Euro, oder das vielleicht schon als Schnäppchen geltende 300/4 für 1200 Euro, aber ohne Stabilisator. Wenn man also eh gerade zufällig das 70-200/2,8 hat, kommt man mit den Telekonvertern zu einem verhältnismäßig günstigen Superzoom mit akzeptabler Leistung. Achja, Sigma und Tamron haben da oben auch ein paar Linsen, aber alle ohne Stabilisator.
Das fette Teil wird aber arg schwer handhabbar. Aus der Hand geschossene Aufnahmen verwackeln unter 1/180 s meist trotz Stabi, sodass ich mir direkt ein Einbeinstativ dazugeholt habe. (Mit meinem Dreibein will ich nicht im Zoo rumhampeln.) Das hält die Kamera nicht komplett ruhig, aber mit Stabi und einer konzentrierten Haltung gelingen die Fotos mit 1/180 s meist, und manchmal sogar welche mit 1/90 oder 1/60. Ein riesiger Vorteil des Einbeins ist übrigens, dass man entspannter das nächste interessante Motiv abwarten kann, auch in unbequemen Situationen.
Vor rund zwei Wochen hat der Zoo Hannover übrigens begonnen, beide Tiger gleichzeitig herauszulassen. Sie sollen für Nachwuchs sorgen, aber so richtig harmonisch scheint ihr Zusammenleben noch nicht zu sein.