
Taipeh 2009: Fahrradtour und Bambus
Nach der Computex fuhr ich mit Freunden aufs Land zum Bambusausgraben. Hätte ich ihnen doch nichts von meinem Fitnessprogramm erzählt, so haben sie nun eine Fahrradtour organisiert.
Ach, hätte ich ihr doch nichts von meinem Sportprogramm erzählt – das ging mir durch den Kopf, als mich Kumo am Samstag Morgen aus dem Hotel abholte. Wir hatten über die Woche ausgemacht, dass wir mit ihrem Mann und den Kindern aufs Land zu fahren, to dig bamboo. Ich hatte keine Ahnung, wie Bambus wächst und war neugierig, doch unvorsichtigerweise erzählte ich dann, dass ich mich inzwischen gerne bewege. Ihre Idee war sofort, dass wir das Bambusausgraben mit einer Fahrradtour verbinden. Unvorsichtigerweise hatte ich zugesagt.
Die Fahrt ging dann nach Nanhu, einem Vorort von Guansi, etwa 50 Kilometer südwestlich von Taipeh. Dort haben Verwandte ein Landhaus, und das liegt an der Bundesstraße 118, die laut Kumo bei Rad- und Motoradfahrern immer beliebter wird. Tatsächlich haben wir schon auf der Hinfahrt viele Radgruppen gesehen, teils in Rennmontur – ein für Taiwan ziemlich ungewöhnlicher Anblick. Der Radsport boomt dort gerade aber ziemlich stark, meinten sie. Über Google habe ich später sogar eine 70 km lange Rundstrecke in dieser Ecke gefunden.
Nach einem kurzen Blick auf den Bambus (der erst kurz vor der Rückfahrt ausgegraben werden sollte) gab es erstmal natürlich etwas zu Essen, und zwar reichhaltig. Fisch, ein Curry mit Rind und Kartoffeln, grünen Spargel, Salat, Bambus natürlich, Tofu, Huhn, die süßen taiwanischen Würstchen und noch zwei Schüsseln. Mjam. Direkt danach befanden alle die Mittagssonne für zu heiß und statt der Fahrt – haben die Jungs nochmal den Grill angeworfen. Puhuff...lecker...
Dann aber mal los!
Und ich muss schon sagen: Das Radfahren hat mir großen Spaß gemacht. Der Fahrtwind hat für eine Erfrischung gesorgt, die mir beim Wandern dort unten immer gefehlt hatte. Das Rad ließ sich gut fahren, die Steigungen waren mäßig. In jedem Ort und auf jedem Parkplatz gab es natürlich was zu essen, aber wir waren noch vom Mittagessen plus Nachtisch-Grillen vollgestopft. Tolle Aussichten auch von der Straße, habe leider wenige Fotos nur gemacht. Aber naja, richtig weit sind wir nicht gekommen, vielleicht anderthalb Stunden nur, dann wollten die ersten umkehren. Schade eigentlich, entgegen aller Befürchtungen hat mir das Radeln echt gefallen und gut getan. Von wegen, dass ich in der dicken Luft sofort umkippe, ganz im Gegenteil. Beim nächsten Mal nur entweder ohne Kamera oder mit Tasche.
Wieder bei den Verwandten angekommen, gab es natürlich erstmal einen Snack. Erdnüsse, gegrillten Mais, Pflaumen und eine dicke Torte. Und dann raus zum Bambus. Was man erntet als essbaren Bambus sind die Sprossen, die in einem Busch aus ausgewachsenen Bambusgewächsen ständig nachwachsen. Je nach Bambus-Art und Geschmack gräbt man kleine, komplett unterirdische Wurzeln aus oder wartet, bis sie ein paar Zentimeter oder Dezimeter aus dem Boden schauen. Das Ausgraben ist dann denkbar einfach: Ein wenig Erde wegschaufeln und dann die Wurzel absägen – ich durfte auch mal ran. Auch wenn der Bambus hart aussieht, geht das einfach, er hat die Konsistenz von Rettich. Dann das Loch zuschütten, die Ameisen von den Wurzeln (und Händen und Armen) abschütteln, fertig. Vor dem Kochen schält man noch die Blätter ab. Unsere Beute bestand aus bis zu einem Meter großen Sprossen, laut Kumo wächst das in ein paar Wochen nach.
Auf der Rückfahrt habe ich dann aber gemerkt, dass ich doch ganz schon kaputt war und eine Dusche brauchte. Abends war dann auch nicht mehr viel los mit mir. Aber Radfahren, das will ich nächstes Jahr wieder machen.