17. Juli 11  •  Rubrik Bearbeitung & Profile  •  Kommentare lesen (2) •  Kommentar schreiben

Mehr Farben: Profilwahl für Internet-Fotos

Versieht man die eigenen Fotos beim Upload auf die eigene Homepage oder Bilderdienste wie Flickr oder Facebook nun mit sRGB- oder AdobeRGB-Profil? Die Antwort hängt davon ab, welche Leserschaft man erwartet – besonders mit Blick auf Smartphones und Tablets.

Was die Browser aus JPGs mit AdobeRGB-Farben machen

Weil die 256 Farbstufen eines JPG bei AdobeRGB oder gar ProPhotoRGB einen größeren Farbraum als sRGB beschreiben, sind die absoluten RGB-Werte (bei gleichem Motiv) niedriger. Beispielsweise hat das kräftigste sRGB-Rot den RGB-Wert 255,0,0, derselbe Ton in AdobeRGB ausgedrückt ist ungefähr 219,0,0, und in ProPhotoRGB etwa 179,70,27. Wenn ein Browser (oder sonstiges Programm) dieses RGB-Triple unverändert ausgibt, entsteht ein zu blasses und kontrastarmes Bild.

Der zweite Punkt ist das Umrechnen aufs Farbprofil des Monitors. Obiges Rot muss auf einem Monitor mit sRGB-Farbraum wieder als 255,0,0 ausgegeben werden, je nach Kalibrierung vielleicht etwas anders. Auf Wide-Gamut-Monitoren muss daraus irgendwas in der Größenordnung von 240,15,25 werden. Wenn diese Umrechnung fehlt, erscheinen die Fotos (trotz korrektem Farbprofil) zu grell.

Weitere Punkte der Browser-Beurteilung sind der Umgang mit JPGs ohne Farbprofil, die Frage, wie die Browser sich bei anderen Bild- oder Videoformaten verhalten sowie der Umgang mit in HTML/CSS-Code angegebenen Farben. Das alles spielt keine Rolle für unsere Fragestellung, mit welchem Profil man ein JPG exportieren sollte, sodass ich nicht weiter darauf eingehe.

Firefox und Safari

Die PC- und Mac-Versionen von Firefox und Safari erfüllen die ersten beiden Punkte: Profilierte Fotos werden korrekt aufs Monitorprofil umgerechnet. Safari machte das schon immer so. Firefox musste anfangs erst auf die profilierte Arbeitsweise umgestellt werden, seit Version 3.5 (wenn ich mich recht erinnere) ist das aber auch dort Standard.

Internet Explorer und Opera

Seit Version 7 oder 8 wertet Microsofts Internet Explorer die Profile von JPGs korrekt aus. Allerdings fehlt auch in Version 9 noch die Umrechnung aufs Monitorprofil. Opera verhält sich seit der Version 12.10 Beta genauso. Auf sRGB-Monitoren macht das nichts, dafür sind die Browser gut geeignet. Auf Wide-Gamut-Monitoren und besser sind die Farben aber zu intensiv, selbst dann, wenn man ein korrektes Monitorprofil installiert hat.

Chrome und Opera

Chrome und Opera vor 12.10 beta kümmern sich gar nicht um Farbprofile. Sie geben die RGB-Werte unverändert aus, sodass AdobeRGB-Fotos zu blass erscheinen und sRGB-Fotos auf farbkräftigen Monitoren zu intensiv.

Chrome

Ruft man Chrome mit dem Parameter "--enable-monitor-profile" auf (den man beispielsweise in den Shortcut eintragen kann), dann berücksichtigt Chrome das Monitorprofil. Damit verschwinden die zu grellen Farben auf Wide-Gamut-Monitoren. Das Farbprofil der Bilder liest Chrome allerdings weiterhin nicht aus, AdobeRGB-Fotos werden also weiterhin zu blass dargestellt. Wenn man kein Monitorprofil geladen hat, bewirkt der Parameter nichts.

Smartphones und Tablets

Bisher ist mir noch kein Mobilbrowser begegnet, der die Profile korrekt auswertet. Auch die iPhone/iPad-Version von Safari sowie der Android-Firefox versagen, ebenso der Internet Explorer von Windows Phone. Von den Opera- und Chrome-Versionen erwartet man ja schon nichts besseres. Tablets und Smartphones verhalten sich also genau wie der Chrome unter Windows und Mac: RGB-Werte werden unverändert angezeigt.

Die obigen Screenshots sollen das Verhältnis der vier Balken untereinander repräsentieren. Sie enthalten keine korrekten Farben und entsprechen daher nicht exakt dem, was ihr an euren Displays seht. Ich habe sie auf einem Wide-Gamut-Monitor erstellt, das eher blasse Rot der drei linken Spalten bei Firefox/Safari ist also das "richtige", das daneben ist "zu intensiv".

Die mit Abstand problemloseste Wahl ist, alle für eine Internet-Veröffentlichung vorgesehenen Fotos für den sRGB-Farbraum zu exportieren. Sie sehen auf Systemen passabel aus, deren Anwender sich kein bisschen um Farbprofile scheren – besser kriegt man es dort jedenfalls nicht hin. Auf komplett durchkalibrierten Systemen erscheinen sie dann in voller Farbpracht. Will man allen weiteren Komplikationen aus dem Weg gehen, kann man jetzt mit dem Lesen aufhören. Spannender sind natürlich die folgenden Überlegungen:

Der Profiltest: Vier Spalten mit anderen Farbprofilen, ganz links sRGB, danach AdobeRGB, dann ProPhotoRGB, und rechts der Streifen ist ein JPG ohne Farbprofil. Die linken drei Spalten müssen gleich aussehen. Der rechte auf normalen Monitoren auch, auf farbkräftigen Displays mit installiertem Profil sollte er kräftigere Farben zeigen.

Wenn man schon eine Kamera hat, die mehr Farben als sRGB aufnehmen kann (und das können meines Wissens nach praktisch alle halbwegs aktuellen, die nicht aus dem Komplettsuperbillig-Segment stammen), und wenn man einen schönen farbkräftigen Wide-Gamut-Monitor hat und sich erfolgreich mit der Kalibrierung auseinander gesetzt hat – dann wäre es doch schade, die anderen Anwender, die sich ähnliche Mühe geben, nicht daran teilhaben zu lassen. Also AdobeRGB als Farbraum!

Von den AdobeRGB-Fotos profitieren allerdings ausschließlich Anwender, die a) selbst einen Monitor mit erweitertem Farbraum haben, b) diesen mit einem korrekten Profil betreiben und c) einen Browser nehmen, der Profile fehlerfrei anzeigt, derzeit Firefox oder Safari. Nur für diese paar Leute, vielleicht ein Prozent der Leserschaft, lohnt sich der Aufwand überhaupt. Immerhin sind das aber die Leute, die genauso verrückt und Foto-affin sind wie man selbst, also genau die Leute, die man erreichen möchte. Die weitaus meisten Anwender patzen jedoch bei einem der drei Voraussetzungen. Deswegen müssen wir überlegen, wie die AdobeRGB-Fotos bei denen aussehen und ob sRGB die bessere Wahl wäre.

sRGB-Monitor

Die allermeisten PC-Nutzer dürften einen Monitor haben, der sRGB-Farben darstellt. Ein Farbprofil haben sie nicht installiert. Laut der Browser-Statistiken für Deutschland haben mehr als die Hälfte der User Firefox oder Safari. Sie sehen dann ungefähr das richtige Bild. Der Internet Explorer rechnet ebenfalls korrekt auf sRGB hoch und zeigt daher ungefähr das gleiche Bild, das sind nochmal ungefähr je nach Statistik ein Viertel bis ein Drittel der Anwender. Safari, Firefox und IE zeigen also AdobeRGB und sRGB gleichwertig gut an.

Chrome, Opera & Co. zeigen die zu blassen RGB-Werte des AdobeRGB-JPGs ohne Umrechnung an, was etwa 10 bis 15 Prozent der PC-Anwender betrifft. Diese 10 bis 15 Prozent sind es, bei denen ein sRGB-Foto besser aussehen würde.

Wide-Gamut-Monitor ohne Profil

Ein paar Monitore zeigen kräftigere Farben an, darunter sowohl Notebooks als auch PCs, und vermutlich gehören auch einige moderne Fernseher dazu. Die meisten der Anwender dürften kein Farbprofil installiert haben. Der PC hat somit keine Chance, korrekte Farben darzustellen, weil er den Farbraum des Monitors nicht kennt. Keine Ahnung, wie viele Nutzer so einen Monitor haben, unter fünf Prozent der Notebook- und PC-Nutzer, schätze ich.

Der IE rechnet AdobeRGB korrekt um, gibt dann aber zu kräftige Farben aus. Firefox und Safari würden die Farbgewalt bändigen können, sind ohne Monitorprofil dazu aber nicht in der Lage. AdobeRGB-Fotos sehen auf allen drei Browsern also übertrieben bunt aus.

Chrome, Opera & Co zeigen die zu niedrigen RGB-Werte von AdobeRGB an, aber weil der Monitor wiederum kräftigere Farben kann, nähert sich die Darstellung eher dem gewünschten Original an. Je näher der Monitor an den AdobeRGB-Farbraum heranreicht, desto besser ist das Bild. sRGB-Fotos würden auf diesen Systemen ebenso überdreht aussehen wie bei den anderen Browsern. Hier haben AdobeRGB-Fotos also einen leichten Vorteil – ohne freilich völlig präzise auszusehen. Also ein zu geringer Vorteil, um nur darauf hinzuarbeiten.

Wide-Gamut-Monitor mit Profil

Es müssen nicht die teuren hardwarekalibrierbaren Monitore sein, auch andere Wide-Gamut-Modelle lassen sich per Colorimeter mit einem passenden Profil versorgen.

Vielleicht ein Prozent der PC- und Notebook-Nutzer haben nicht nur einen farbkräftigen Monitor, sondern kalibrieren ihn auch regelmäßig und kennen sich mit Farbprofilen aus. Bei denen zeigen Safari und Firefox die AdobeRGB-Bilder nicht nur richtig an, sondern auch mit dem erweiterten Farbraum. Diese Nutzer sind die eigentliche Zielgruppe des ganzen AdobeRGB-Aufwands.

Wie IE, Chrome, Opera & Co. sich verhalten (nämlich ähnlich wie ohne Profil mit überdrehten Farben), ist fast egal, denn diese Nutzer wissen ja um deren Problematik und werden sie zumindest für Foto-Communities und ähnliches nicht nutzen. Falls sie Chrome mit dem Parameter --enable-display-profile starten, sehen sie sRGB-Fotos korrekt aufs Monitorprofil umgerechnet, AdobeRGB-Fotos sind nun zu düster – Vorteil sRGB.

Zwischenfazit

AdobeRGB rockt! Dachte ich jedenfalls bisher...

Bis hierhin würde ich sagen, dass die Vorteile von AdobeRGB überwiegen. Dank des großen Marktanteils von Firefox und des erträglichen Verhaltens des IE auf sRGB-Monitoren sehen die meisten Anwender AdobeRGB-Fotos in brauchbarer oder guter Qualität, den Enthusiasten mit profiliertem Monitor steht sogar der gesamte Farbraum ihres Monitors zur Verfügung.

Genau aus dieser Überlegung heraus hatte ich vor einiger Zeit angefangen, nur noch Fotos mit AdobeRGB-Profil online zu stellen. Diesen Text hier wollte ich schon vor über einem Jahr mal fertig schreiben, und dann wäre er hier jetzt auch fertig.

Doch es gibt ein paar neue Entwicklungen, die mich meine Überlegungen überdenken lassen:

Chrome

Der Anteil der Chrome-Nutzer steigt, in den USA soll er bei 16 Prozent liegen, weltweit sogar bei 20. Der Teil der Anwender, bei denen AdobeRGB-Bilder zu blass aussehen und sRGB die bessere Wahl wäre, nimmt also zu.

Bei mir selbst sehe ich die Tendenz, das meiste mit Chrome zu erledigen, weil er bei vielen gleichzeitig geöffneten aktiven Seiten (Google+, Facebook, Twitter) schneller arbeitet als Firefox. Auch gefallen mir die problemlose Sync- und Update-Fähigkeit sowie die reichhaltigen Add-Ons. Diese Vorteile überwiegen für mich im Alltag den schlechteren Umgang mit den Farbprofilen. Gerade der Parameter --enable-display-profile führt dazu, dass fast alles richtig angezeigt wird – außer AdobeRGB-Fotos (die nämlich zu blass). Für mich persönlich das stärkste Argument gegen AdobeRGB.

Notebooks

Mehr als die Hälfte der verkauften Neugeräte sind inzwischen Notebooks. Die meisten von denen (über 90 Prozent, schätze ich) haben ein Display, das nicht mal den sRGB-Farbraum abdeckt. Schon bei optimaler Darstellung (also sRGB mit jedem Browser oder AdobeRGB mit IE, Safari, Firefox) ist das Bild schlechter als gewünscht, bei der fehlerhaften Darstellung der AdobeRGB-Bilder in Chrome & Co fehlen noch mehr Farben. Der Nachteil der AdobeRGB-Bilder wiegt hier also stärker.

Tablets und Smartphones

Uns ist kein Tablet bekannt, das den sRGB-Farbraum abdeckt. Selbst gute Displays wie die des iPad oder HP Touchpad sind im Rot und Grün weniger brillant. Zudem kennen wir keinen Tablet-Browser, der Farbprofile unterstützt, alle bekannten benehmen sich so plump wie Chrome & Co auf dem PC. AdobeRGB-Fotos führen daher auf allen Tablets zu blasseren Fotos. Hier ist sRGB die bessere Wahl.

Bei Smartphones gibt es immerhin die paar Modelle mit OLED-Display, die als ordentlich farbkräftig durchgehen. AdobeRGB-Bilder mögen dort etwas gedeckter aussehen als die knallenden sRGB-Fotos. Doch auf der Mehrzahl der Smartphones wirken AdobeRGB-Bilder blasser als das Display hergibt.

Fazit

Mehr Notebooks, mehr Chrome, mehr Tablets und Smartphones: Diese Trends arbeiten gegen den Einsatz von JPGs mit AdobeRGB-Farbraum. Zwar mag die Zahl der Anwender steigen, die dank guter Displays und profilierter Systeme etwas von den AdobeRGB-Bildern haben, aber noch stärker wächst die Gruppe der Anwender, bei denen diese Bilder schlechter aussehen als welche mit sRGB-Profil.

Die Empfehlung daraus ist klar: Fürs Internet gedachte Fotos sollte man mit sRGB-Profil exportieren.

AdobeRGB-Fotos eignen sich eher für spezielle Zwecke, beispielsweise dem Verteilen per E-Mail oder Dropbox an Bekannte, von denen man weiß, dass die Farben dort stimmen. Und natürlich fürs eigene Archiv, sofern man dran denkt, vor dem Internet-Publishing den sRGB-Export durchzuführen; besser archiviert man natürlich RAWs.

Tja, und ich werde über die nächsten Wochen damit beginnen, alle AdobeRGB-Fotos auf der Seite wieder gegen sRGB-Varianten auszutauschen. Seufz.

Updates

17.7.11: erste Fassung
19.7.11: Chrome um den Parameter --enable-display-profile ergänzt
13.10.12: Opera um 12.10 beta ergänzt
13.10.12: letzte Überarbeitung

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Kommentare (2)

Cayzland schrieb am Montag, 18. Juli 11, 14:58 Uhr (#1/id89)

Danke für diese brauchbaren Tests! Und wieder sieht man, dass der Kampf der “Standards” einfach nie aufhört und immer wieder neue Dimensionen erreicht. Genau wie im Video- und Audio Bereich (Codecs). Ein “DAS ist am Besten und läuft auf jeder Plattform” wird es wohl nie geben. Also quälen wir uns weiter.

Und du möchtest jetzt alles wieder neu exportieren? Ich denke, das ist eine Aufgabe fürs Leben, oder? Wenn du das letzte JPG exportiert hast, sind schon wieder 10 neue Techniken auf dem Markt und auf ein Mal ist wieder alles anders… Nicht besser, aber neuer und natürlich auch wieder ein Stück komplizierter ;-)

Jockel schrieb am Dienstag, 19. Juli 11, 9:36 Uhr (#2/id90)

Nee, eigentlich habe ich keinen Bock, alles nochmal zu exportieren ;-) Zum Glück habe ich beim Umstellen auf AdobeRGB nur wenige alte Fotos geändert, sondern hauptsächlich die der neuen Einträge so gespeichert.

Irgendwo habe ich ein Tool, das mir eine Liste der Farbprofile aller JPGs ausgibt, sodass ich die fragwürdigen Fotos schnell finde.

Naja, und dann machts ja schon Spaß, sich die alten Fotos nochmal vorzunehmen und vielleicht einen schöneren Ausschnitt zu nehmen oder auch die neue Lightroom-Entrauschung oder -Entzerrung drüberlaufen zu lassen…  ist ja eh ein verregneter Sommer ;-)

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