Mehr Farben: Chrome kann Farbprofile - ein bisschen
Ich dachte immer, Chrome könnte nicht mit Farbprofilen in JPGs umgehen, doch ein Leser wies mich auf einen Parameter hin, der diese durchaus eingebaute Funktion freischaltet. Ganz so komplett wie Firefox klappt es dann aber doch nicht mit Googles Browser.
Zwei Dinge muss ein Browser richtig machen, damit Bilder mit Farbprofilen richtig angezeigt werden: Er muss erstens die Profile aus den JPGs und anderen heruntergeladenen Bilddateien korrekt auslesen und zweitens bei der Darstellung das Monitorprofil des PCs berücksichtigen, auf dem er läuft. Googles Chrome kann auch in der aktuellen Beta 13 beides nicht.
Mit dem Parameter "--enable-monitor-profile" lässt Chrome sich immerhin zum zweiten der beiden Schritte überreden: Dann nutzt es das Monitorprofil, was im Allgemeinen dazu dient, dass Farben nicht zu kräftig angezeigt werden und dass kleine Farbstiche verschwinden. Das ist soweit schonmal eine tolle Sache, vor allem für die Besitzer von farbkräftigen Monitoren. Denn so verschwinden die zu kräftigen, unnatürlichen Farben, das knallige Rot und das schreiende Grün.
Chrome kann aber immer noch keine Farbprofile aus den angezeigten Bilder auslesen. Er hält alles für sRGB, egal, was drinsteht. Wenn ein Foto tatsächlich für sRGB gerechnet ist, stellt Chrome es also richtig dar. Ist es aber ein AdobeRGB-Bild, erscheinen die falschen Farben: zu blasse nämlich. AdobeRGB-Fotos sehen also auf farbkräftigen Monitoren mit diesem Parameter sogar etwas schlechter aus als ohne. Aber egal, der Vorteil, dass sRGB-Fotos präzise dargestellt werden, wiegt diesen Nachteil allemal auf.
Eine Nebenwirkung hat der Parameter übrigens: Chrome zeigt nun überhaupt nichts mehr mit kräftigeren Farben als sRGB an. Die Vorteile eines farbkräftigen Monitors kommen mit Chrome also nicht mehr zum Tragen.
Den Parameter trägt man zweckmäßigerweise in allen Icons ein, über die man Chrome üblicherweise startet. Rechtsklick auf das Icon (beispielsweise in der Schnellstartleiste), dann auf Eigenschaften klicken, dann öffnet sich das Eigenschaften-Fenster. Hat man unter Windows 7 Chrome angepinnt, benötigt man einen Klick mehr: zuerst ein Rechtsklick aufs Icon in der Startleiste, dann ein Rechtsklick auf "Google Chrome" im sich öffnenden Fenster, dann erst auf Eigenschaften. Im Eigenschaften-Fenster hängt man den Parameter --enable-monitor-profile an den Chrome-Aufruf im Feld "Ziel" an. Entweder wie im Screenshot rechts mit Gänsefüßchen, oder auch ohne. Die ganzen anderen Felder können bleiben wie sie sind. (Die müssen auch nicht so aussehen wie auf dem Screenshot hier von mir.)
Abschließend: Chrome kann die Farbprofile immer noch nicht so gut wie Firefox oder Safari und bleibt daher zweite Wahl. Mit dem Parameter werden immerhin sRGB-Fotos genauso gut angezeigt wie bei Firefox und Safari, und damit ist Chrome eine Alternative für Nutzer mit Wide-Gamut-Displays – sofern sie sich drauf einlassen, dass AdobeRGB-Fotos blöde aussehen. Für mich persönlich überwiegen die Vorteile von Chrome, vor allem die hohe Geschwindigkeit, aber auch die gute Synchronisierung und die vielen Add-Ons. Auf den Nachteil mit der schlechten AdobeRGB-Darstellung lasse ich mich ein. Und nehme das sogar zum Anlass, hier im Blog nach und nach die AdobeRGB-Fotos wieder gegen sRGB-Varianten auszutauschen...