Geotagging mit Lightroom
Adobes Lightroom zeigt zwar die GPS-Koordinaten von Fotos an, kann selbst aber keine eintragen. Um schon importierte Fotos zu taggen, braucht man ein Zusatztool und einen kleinen Trick...
Ein Microsoft-Tools, das GPS-Daten auch in RAW-Dateien schreiben kann, hat mich darauf gebracht, mal näher zu untersuchen, wie nun das Zusammenspiel von Lightroom und GPS-Koordinaten funktioniert. Der nahe liegenden Workflow, die RAWs vor dem Import mit Geodaten zu versehen, funktioniert zwar, aber stellte mich nicht zufrieden. Das liegt zum einen daran, dass das blöde Microsoft-Tool die Tracks von meinem Geotagger nicht lesen kann (und auch nicht die vom Sony-Tracker oder die GPX-Tracks von Garmin), zum anderen fand ich das unpraktisch. Ich will manchmal schnell an die Bilder ran, ohne erst die Tracks auszuwerten, und ich will schon länger importierte Bilder nachträglich verorten – nicht anhand von Tracks, sondern manuell mit diesen Tools, die dazu Google Maps oder Ähnliches nutzen. Das macht nämlich Spaß, sich bei alten Bildern daran zu erinnern, wo man damals rumgerannt war.
Problematisch war daran, dass ich keinen Weg gefunden habe, ein schon in Lightroom importiertes Bild nochmals einlesen zu lassen. Alle Wege, die ich ausprobiert hatte, führten bei JPGs und RAWs dazu, dass Bearbeitungsschritte, Schlüsselwörter und Kategorienzuordnungen komplett gelöscht waren, was einem Neu-Import des Fotos entsprach – Unakzeptabel.
Dann bin ich auf zwei entscheidende Dinge gestoßen: das Tool GeoSetter und einen Tipp im Lightroom-Blog, und zwar diesen. GeoSetter ist nicht einfach nur eines von Dutzenden Tools, mit denen man GPS-Koordinaten in JPGs pumpen kann, sondern es kennt die XMP-Dateien von Lightroom. Und mit dem Tipp aus dem Blog kriegt man Lightroom dazu, die XMPs von schon importierten Fotos nochmals einzulesen. Mit Lightroom ab 2.0 funktioniert das nun so:
- In Lightroom die zu taggenden Fotos markieren und dann im Kontextmenü "Metadata | Save Metadata to Files" auswählen (Sorry, ich habe auf englisch umgeschaltet, weil dann die seitlichen Tabs kleiner sind). Alternativ müsste Ctrl-S funktionieren. Wenn man einen ganzen Folder bearbeiten möchte, findet man da im Kontextmenü auch "Save Metadata". Danach ackert Lightroom ein wenig und erzeugt die XMPs für jede der Dateien.
- Nun startet man GeoSetter (Lightroom kann im Hintergrund offen bleiben) und taggt die Fotos. Freundlicherweise liest es meine Nmea-Tracks fehlerfrei ein, aber auch das manuelle Taggen klappt sehr übersichtlich. In den Einstellungen muss man dann noch fürs benötigte RAW-Format "Daten in XMP-Sidecars speicher" aktivieren. Damit die RAW-Datei unangetastet bleibt, noch "Existierende Daten in Bild-Datei aktualisieren" und "Immer Exif-Datein in Bild-Datei aktualisieren" abwählen. Nun kann man die Änderungen speichern und GeoSetter füllt die GPS-Koordinaten in die XMPs.
Mit dieser Einstellung speichert GeoSetter die GPS-Koordinaten in den XMPs und rührt die Nikon-RAWs nicht an. Für Kameras von Canon etc. muss man das natürlich genauso setzen. - Nun geht man zurück zu Lightroom (GeoSetter kann ebenfalls geöffnet bleiben) und wählt "Metadata | Read Metadata from Files" (nicht im Kontextmenü der Folder zu finden, nur per Kontextmenü der selektierten Fotos oder im Hauptmenü) oder im Kontextmenü des Folders "Synchronisieren". Nun liest Lightroom die Daten, findet alle Bearbeitungsschritte/Schlüsselwörter/etc. wie vorher vor, und lädt zusätzlich die Geodaten. Fertig.
Anfangs tauchten danach bei jedem Bild drei neue Keywords (Schlüsselwörter) auf, die ich immer sofort wieder gelöscht hatte. Das war umständlich, vor allem wenn ich mehrere Hundert Bilder auf einmal verortet hatte. Nach längerem Suchen habe ich endlich gefunden, wie ich das abschalte. Und zwar geht man in den GeoSetter-Optionen auf die Registerkarte Daten-Optionen und löscht das Häkchen bei "Flickr Geo-Tags". Und schon bleiben die Keywords leer. Flickr benötigt die GPS-Koordinaten offensichtlich auch nicht unbedingt in diesem Format, denn ein ohne diese Option verortetes Bild, das Lightroom dann als JPG exportiert, wird in Flickr dennoch mit GPS-Koordinaten angezeigt, zum Beispiel dieses hier.
Die XMP-Dateien kann man nun wieder löschen, wenn man sie nicht aus anderen Gründen aufheben möchte, beispielsweise zum Datenaustausch zwischen verschiedenen Lightroom-Installationen. (Hat man die XMPs gelöscht und will sie später doch wieder erzeugen, geht das aber erstmal schief. Und zwar meckert Lightroom, dass die Sidecar-Datei verschwunden wäre, ist aber zu blöd, sie direkt wieder zu erzeugen. Es hilft der Trick, irgendwas in den Metadaten zu ändern und dann mit obigen Methoden die XMP-Datei wieder zu erzeugen, dann geht es auf einmal. Seltsam. Ich setze dazu immer ein von mir nicht genutztes Feld der IPTC-Daten und lösche es nach dem XMP-Export wieder.)
Mit JPGs funktioniert das übrigens ähnlich. Beim Schreiben der Metadaten legt Lightroom aber keine XMPs an, sondern legt alles in den JPGs selbst ab – und zwar nicht nur die üblichen EXIF-Daten, sondern alle weiteren Lightroom-Spezialitäten. GeoSetter sollte man dann so einstellen, dass es keine XMPs erzeugt, sondern ebenfalls direkt ins JPG schreibt (GeoSetter merkt sich diese Einstellungen für jeden Dateityp einzeln). Beim Lesen der Metadaten in Lightroom bleiben alle Änderungen erhalten, sodass ich annehme, dass dieses Verfahren über das Schreiben und Einlesen der Metadaten auch das Microsoft-Tool wieder einsatzfähig macht. Diesen Trick kannte ich nur anfangs nicht, und bislang hatte ich auch noch keine Lust, das auszuprobieren.
Einen Vorteil hat das Microsoft-Tool übrigens: Beide können anhand der GPS-Position die IPTC-Felder Country, ISO-Code, State/Province, City und Location setzen, aber bei Microsoft schienen mir diese Daten präziser zu sein. Die Experimente mit dem MS-Tool werde ich jedoch nicht fortführen, weil es ja meine Tracks nicht einlesen kann. Zudem gefällt mir der GeoSetter-Weg besser, weil so die RAWs unangetastet bleiben, was der "Philosophie" der RAWs eher entspricht. Naja, und was ein paar Sekunden Zeit beim Schreiben spart, noch wichtiger...
Insgesamt finde ich diese Lösung akzeptabel. GeoSetter ist ein angenehmes, gut gepflegtes Tool, der Mehraufwand in Lightroom hält sich in Grenzen. Andere Tools mögen sich aus anderen Gründen genauso gut oder besser für den Job eignen, aber ich bin halt mit diesem so zufrieden, dass ich keinen Bedarf sah, weiter zu suchen. Wenn jemand ähnliche Tools kennt, bitte melden! Achso, hier auf Heise findet ihr meine Kurzbeschreibung.
Updates
12.5.08: erste Fassung
13.4.09: Problem mit den Keywords gelöst. Hinweis zum XMP-Wiedererzeugen hinzugefügt
21.5.11: letzte Überarbeitung
Kommentare (3)
Achim schrieb am Samstag, 20. Dezember 08, 11:20 Uhr (#1/id44)
Ich finde die Kombination auch klasse. Ich hab damit haufenweise Urlaubsfotos rückwirkend über die Google-Map in Geosetter mit Geotags befüllt. Beim Vertaggen von JPGs muss man allerdings verdammt aufpassen, dass sich Geosetter und Lightroom nicht gegenseitig die Metadaten überschreiben.
Für das Abgleichen von Bildern mit Tracks find ich ja GPicsync ganz nett, das die Daten in die Bilder schhreibt und eine Google-Earth KMZ-Datei mit dem Track und Thumbnails der Bilder generiert. Kann aber glaub ich keine RAW-Formate http://code.google.com/p/gpicsync/
Michael schrieb am Dienstag, 13. Januar 09, 0:55 Uhr (#2/id45)
Vielen Dank für den Hinweis welche Optionen im Einstellungsmenü abzuwählen sind. Endlich harmonieren die zwei Programme perfekt.
In den aktuellen GeoTagger-versionen (ich nutze 3.04) konnte ich das Stichwort-problem nicht nachvollziehen. Es werden nur die jeweiligen Ortsnamen “verstichwortet”.
Veit schrieb am Donnerstag, 21. Mai 09, 20:08 Uhr (#3/id52)
Danke für den Super-Tip mit den Flickr Geo-Tags. Ich hatte auch schon nach dem Schuldigen gesucht. Das Schreiben der Metadaten mache ich aber wesentlich einfacher, indem ich Geosetter die Daten direkt in die DNG’s schreiben lasse, dann einfach alle Bilder markiere (meist alles aus vorheriger Import) und dann in dem Metadatenmenü unter Metadatenstatus das unscheinbare Feld “Konflikt beheben” auswähle.